Eine Schleimbeutelentzündung an der Hüfte ist zunächst einmal eine sehr häufige Erkrankung. Für mich als Hüftspezialisten gehört sie zu jedem Praxistag dazu. Es gibt unterschiedlichste Ausprägungen, von geringen belastungsabhängigen Beschwerden bis hin zu starken stechenden Schmerzen, die den Patienten immobilisieren. Interessant ist, dass die Schleimbeutelentzündung eigentlich gar keine Schleimbeutelentzündung ist oder zumindest dies nicht das zugrunde liegende Problem darstellt. Isolierte Schleimbeutelentzündungen, wie z.B. die sogenannte Bursa trochanterica, sind sehr selten.

Wie äußert sich eine Schleimbeutelentzündung in der Hüfte?

Der eigentliche Schmerz resultiert von einem entzündlich gereizten Sehnenansatz. Dieser Sehnenansatz befindet sich im Bereich des großen Rollhügels an der Außenseite der Hüfte. Dies ist der seitliche harte Knochen den man auf beiden Außenseiten an der Hüfte gut tasten kann. Der Hauptschmerzpunkt liegt in der Regel am Oberrand dieses walnussgroßen Rollhügels, dem Trochanter major.

Auch wenn in der Literatur immer wieder von kleinen Sehnenrissen und Sehnenverletzungen gesprochen wird, sind diese zwar in gewisser Weise aufgrund der Überlastung der Sehne in manchen Fällen vorhanden. Die aufwendig operativen Eingriffe bei der die verletzte Sehne genäht wird bringen in 95% der Fälle für den Patienten keine mittel- und langfristige Verbesserung. Kurzfristig kommt es hingegen häufig zu einer Besserung, das liegt aber daran, dass durch eine längere Teilbelastung an gestützten Strukturen einfach die Belastung von der Sehne genommen wird.

Vielmehr muss man sich mit der Ursache dieser tatsächlich vorhanden Sehnenerkrankung und -verletzung beschäftigen und diese versuchen zu beseitigen. Wie so häufig in der Orthopädie, ist die Ursache eine komplexere Haltungs- und Bewegungsstörung, meistens maßgeblich verursacht durch eine schwache Muskulatur und Verkürzung von Strukturen.

Was hilft gegen eine Schleimbeutelentzündung?

Auch wenn wir durch das Vorgenannte nun wissen, dass das Problem eigentlich nicht der Sehnenansatz ist, sondern in den meisten Fällen ein Haltungs- und Bewegungsproblem, muss in jedem Fall eine lokale Therapie erfolgen. Bei sehr stark ausgeprägten Beschwerden kann durchaus eine Injektion einer geringen Menge von Cortison eine wichtige Befundbesserung bewirken. Dies ist in besonders ausgeprägten Fällen unbedingt notwendig, um überhaupt eine funktionelle Therapie mit lokalen Maßnahmen im Rahmen einer Physiotherapie oder Eigentherapie zu ermöglichen.

Am wichtigsten sind gerade diese lokalen Therapien, bei denen die Querfriktion eine Schlüsselrolle einnimmt. Die Querfriktion ist eine sehr bewährte physiotherapeutische Therapie für die Behandlung von Muskeln und Sehnen. Bei der Querfriktion erfolgt “quer” zur Verlaufsrichtung der Muskeln und Sehnen eine intensive Massage (“Friktion”) der entsprechenden Strukturen. Hierdurch kommt es zu einer Verbesserung der Durchblutung und einer Senkung des Muskeltonus. Verklebungen werden aufgelöst, Lymphflüssigkeit abtransportiert und eine Geweberegeneration ausgelöst. Die tiefe Querfriktion ist insbesondere bei Sehnenentzündungen sehr wertvoll. Leider ist sie teilweise hoch schmerzhaft, aber fast immer mit einer deutlichen Beschwerdelinderung verbunden.

Therapeutisch sollte zudem auch eine Triggerpunkttherapie genau desjenigen Muskels erfolgen, der über eben diese Sehne am Knochen festgemacht ist. Eine weitere wichtige Struktur ist der Traktus iliotibialis, der fast über den gesamten seitlichen Oberschenkel verläuft. Der Traktus iliotibialis ist eine breite Sehnenplatte, die ebenfalls häufig unter einer erhöhten Spannung steht und zudem auf den entzündeten Sehnenansatz und das umgebende Gewebe drückt. Dieser kann ebenfalls durch eine Querfriktion oder auch die Eigentherapie mit einer Faszienrolle sehr effektiv behandelt werden, was allerdings ebenfalls sehr schmerzhaft ist.

Schmerzärmer und ebenfalls hoch wirksam ist die Therapie mit einer radialen Stoßwelle und die Injektion von Hyaluronsäure an und um den entzündeten Sehnenansatz. Dies soll zum einen die Geweberegeneration, zum anderen die Gleitfähigkeit und die Lösung von entzündlichen Verklebungen bewirken. In einer Studie konnte insbesondere die Kombination der beiden Therapieverfahren bestätigt werden. Eine Nachteil sind jedoch die relativ hohen Kosten, die der gesetzlich versicherte Patient selbst tragen muss.

Diagnose und Therapie der Schleimbeutelentzündung

Die Diagnose einer Schleimbeutelentzündung oder genauer einer Sehnenansatzentzündung im Bereich der seitlichen Hüfte kann in der Regel bereits durch die Erzählungen des Patienten vermutet werden und durch eine lokale Untersuchung und Druckschmerzhaftigkeit im Bereich des Sehnenansatzes am großen Rollhügels bestätigt werden. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt oftmals eine vermehrte Flüssigkeit im Bereich des Sehnenansatzes als Zeichen der lokalen Entzündung.

Zudem können die Sehnen genauer dargestellt und mögliche größere Schäden ausgeschlossen werden. Ein Röntgenbild sollte insbesondere dann durchgeführt werden, wenn eine längere Beschwerdedauer oder eine Therapieresistenz vorliegen. Auch an diesem Sehnenansatz gibt es Verkalkungen, ähnlich der Schulterregion.

Darüber hinaus ist häufig auch eine Arthrose im Hüftgelenk ein möglicher Auslöser der seitlichen Hüftbeschwerden. Häufig sind auch ausstrahlende Schmerzen von der Wirbelsäule, eine sogenannte Lumboischialgie, eine wichtige Differenzialdiagnose.