Was ist eine Hüft- (Coxarthrose) bzw. Kniearthrose?

Bei der Hüftarthrose handelt es sich um eine Gelenkerkrankung, die mit einem voranschreitenden Verlust an Gelenkknorpel einhergeht. Dieser Gelenkverschleiß betrifft in erster Linie die beiden artikulierenden Gelenkflächen. Also beispielsweise die beiden “Laufflächen” am Kniegelenk. Zunächst wird der Knorpel nur weicher, im weiteren Verlauf dünnt er sich zunehmend aus.

Hier unterscheidet man grundsätzlich zwischen 4 Stadien, wobei Stadium 1 auf eine nur gering reduzierte Gelenkspaltbreite hinweist, während Stadium 4 mit einem vollständigen Verlust an Gelenkknorpel einhergeht. Diese Gelenkspaltbreite lässt sich auf dem konventionellen Röntgenbild erkennen und zeigt den Raum zwischen zwei Knochen an. Im Idealfall wird das Kniegelenk im Stehen unter Belastung geröngt, da es im Liegen durch das fehlende Gewicht zu einer falschen Auswertung kommen kann.

Die Arthrose-Erkrankung ist eine voranschreitende Erkrankung und kann durch keine Therapie wirklich rückgängig gemacht werden. D.h. einmal “verlorengegangener Knorpel” ist unwiederbringlich weg. Allerdings gibt es eine ganz Reihe von sehr effektiven Methoden, um den Knorpelverlust langfristig aufzuhalten und auf ein Minimum zu begrenzen.

Was geschieht bei einer Arthrose in Hüfte und Knie und wie entsteht sie?

Bei der Arthrose kommt es zu einem schrittweisen Verlust an Knorpelmasse. Also der Anteil eines Gelenkes, der sich gegen den anderen bewegt. Man spricht dann auch von einem „Gelenkverschleiß“. Im Folgenden wird der darunterliegende Knochen immer mehr belastet und es kommt zu den typischen belastungs- und bewegungsabhängigen Gelenkschmerzen.

Insbesondere bei dem Hüftgelenk findet man schon bei genauer Betrachtung des normalen Röntgenbildes fast immer eine oder mehrere Ursachen, warum es zu einem vorzeigen Verschleiß gekommen ist. Beispielsweise ist die Überdachung des Hüftgelenks zu gering, die Gelenkpfanne zu groß oder der Schenkelhals zu breit. Kurzum es kommt zu einer nicht optimalen „unrunden“ Gelenkfunktion und somit über den Verlauf von Jahrzehnten zu einem Verschleiß.

Am Kniegelenk hingegen sind andere Faktoren wie beispielsweise Übergewicht und Vorschäden, wie Meniskus- oder Bandverletzungen viel wichtigere Faktoren für die Arthroseentstehung. Auch Achsfehlstellung wie ein X- oder O-Bein führen hier zu einer Überlastung einer Gelenkregion und somit zu einem schrittweisen Knorpelverschleiß.

Dieser ist Anfangs gering und kann auch sehr lange durch die hervorragenden regulierenden Eigenschaften des Körpers ausgeglichen werden. Der Körper ist hier ein wahrer Meister der Balancierung von geschwächten Strukturen und macht dies ständig im gesamten Bewegungsapparat. Und vor allem kann er diese auch relativ lange aufrechterhalten. Somit bestehen oftmals erst Beschwerden, wenn die Gelenkschädigung sehr weit fortgeschritten ist.

Warum haben beide Krankheitsbilder mit dem Rücken zu tun?

Eine fortgeschrittene Hüftarthrose führt fast immer zu Beschwerden im unteren Rücken. Das liegt daran, dass die Bewegung im Hüftgelenk durch den voranschreitenden Verschleiß immer stärker limitiert wird. Dies ist insbesondere bei Rotationsbewegungen der Fall. Der Körper versucht nun die fehlende Beweglichkeit im Hüftgelenk mit den großen Beckengelenken und dem unteren Abschnitt der Wirbelsäule auszugleichen. Diese sind jedoch für derartige Belastungen nicht gemacht und es kommt häufig zu Beschwerden in diesen Regionen.

Im Bereich des Kniegelenks oder der Kniearthrose wird der Rücken ebenfalls oft in Mitleidenschaft gezogen, wenn ständig starke Kniebeschwerden zu einer dauerhaften Fehlbelastung führen.

Bei welchen Symptomen sollte ein Arzt aufgesucht werden und wie ist die Krankheit zu diagnostizieren?

Grundsätzlich sollten alle Gelenkbeschwerden, die längere Zeit andauern bei einem Orthopäden abgeklärt werden. Die wichtigsten Symptome der Arthroseerkrankung sind die belastungs- und auch bewegungsabhängigen Schmerzen, der Anlaufschmerz und die Beschwerden nach einer intensiven Belastung. Im fortgeschrittenen Stadium kommen auch nächtliche Beschwerden hinzu oder ein Wegsacken bzw. Wegknicken des betroffenen Beines.

In der Regel kann man als erfahrener Orthopäde bereits durch die Erzählungen des Patienten die Verdachtsdiagnose stellen und durch die klinische Untersuchung, also das Bewegen des Gelenks, eine sichere Diagnose stellen. Das Röntgenbild dient in der Regel nur zur Bestätigung und um das Ausmaß der Schädigung zu erkennen.

Auf der anderen Seite gibt es bestimmte Befunde an der Wirbelsäule, bei denen ein Nerv beispielsweise durch eine Verengung oder ein Bandscheibenproblem derart beeinträchtigt wird, dass in der Folge relativ isolierte Knieschmerzen auftreten können.

Wie sieht dann die Therapie der Knie- bzw. Hüftarthrose aus?

Bezüglich der Therapie gibt es relativ klare und eindeutige Richtlinien, mit denen die unterschiedlichen Erkrankungen behandelt werden sollten. Diese sind z.B. bei einem degenerativen Meniskusriss seit vielen Jahren nicht mehr die operative Therapie, sondern eine konservativ-funktionelle Therapie mit einer anti-entzündlichen Schmerztherapie in Kombination mit einer Physiotherapie.

Inwieweit ein operativer Eingriff überhaupt notwendig ist, muss immer individuell entscheiden werden. Oftmals können eine Kombination von verschiedenen Therapien, eine sogenannte Bausteintherapie, eine sehr gute und auch anhaltende Verbesserung erreichen.

In Deutschland bekommen jedes Jahr ca. 200.000 Menschen ein künstliches Hüftgelenk und rund 180.000 Menschen ein künstliches Kniegelenk eingesetzt.

Wie sieht das bei Knie- und Hüftgelenken aus?

Grundsätzlich liegt der Anstieg für den Ersatz des künstlichen Hüft- und Kniegelenks in den letzten Jahren im internationalen Durchschnitt. Allerdings erwarten die Fachgesellschaften aufgrund des demografischen Wandels einen weiteren Anstieg. Das liegt an dem Altersdurchschnitt in Deutschland. Hier sind wir weltweit in der Spitzengruppe.

Mittlerweile gibt es sehr gute Leitlinien, sowohl für die Hüft- wie auch die Knieoperationen. Hieran sollten sich alle Orthopäden halten. Bei der Gelenkersatzoperation am Kniegelenk ist mittlerweile ein Zweitmeinungsverfahren verpflichtend; d.h. zwei Ärzte müssen unabhängig voneinander die Indikation zu einem Kniegelenksersatz stellen.

Wie kann ich sichergehen, dass ein derartiger Eingriff auch wirklich nötig ist?

Heutzutage gibt es zumindest bei den größeren Knie-Operationen mit einem Gelenkersatzimplantat die gesetzliche Vorgabe, dass zwei Ärzte unabhängig voneinander die Indikation, also die Notwendigkeit dieser Operation, bestätigen müssen. Diese Möglichkeit hat der Patienten prinzipiell auch bei dem Hüftgelenkersatz, er muss hier jedoch nicht von dem Arzt darauf hingewiesen werden.

Grundsätzlich gilt aber, solange keine wesentliche Beeinträchtigungen oder Einschränkungen im Alltag vorliegen, so dass beispielsweise längere Wanderungen nicht mehr möglich sind, ist auch keine Gelenkersatzoperation notwendig. Anders gesagt, wenn die Welt mit zwei Schmerztabletten in der Woche in Ordnung ist, dann ist das durchaus eine gute Option.

Welche Operationstechniken kommen bei Hüft- oder Kniearthrose in Frage?

Minimal-invasive Hüft- und Knieendoprothetik

Aus meiner Sicht ist eine „richtig“ minimalinvasive Operation des Hüftgelenks nur durch die modernen und viel kleineren Kurzschaftimplantate möglich. Diese sind jedoch aktuell noch alles andere als Standard und werden nur von wenigen Kollegen verwendet.

Kurzschaftimplantate, kurz Mini-HIP genannt

Kurzschaftimplantate haben eine ganze Reihe von Vorteilen. Sie sind nicht nur kleiner und ermöglichen ein viel schonenderes Operieren, sondern sie führen auch zu einem viel natürlicheren Gelenkgefühl.

Bikini-Zugang

Das ist eine Technik, die die Narbe nach einer Hüftoperation nahezu unsichtbar macht, indem diese in der Leistenfalte liegt und somit vor allem im Verlauf der Hautspannungslinien.

Individuell angefertigte Implantate

Diese sind vor allem im Kniebereich immer wichtiger, da hier immer versucht werden sollte, nur die geschädigte Region individuell zu ersetzen.

Roboterassistierte Knieendoprothetik

Das wird sicherlich in 5-10 Jahren der Standard sein, da eine viel höhere Präzision erreicht werden kann. Viele Studien konnten hier bereits eindeutige Vorteile nachweisen.

Fast-Track

Das war vielleicht eine der wichtigsten Entwicklung der letzten Jahre, von der die Patienten enorm profitieren. Und her geht es eben primär nicht um eine schnellere Behandlung, sondern um eine Verbesserung des gesamten Behandlungsablaufs.